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Archiv für August 2008

Kein Patent auf Leben

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Das sogenannte „Schweinepatent“ schürt Unsicherheit unter deutschen Landwirten

Von Mariano Albrecht

Eine Nachricht aus den vergangenen Tagen beunruhigt: „Trotz ungeklärter Rechtslage und internationaler Kritik hat das Europäische Patentamt in München ein Patent auf ein Verfahren zur Zucht von Schweinen“ erteilt, welches darauf basiert, bestimmte Gene zur Zuchtoptimierung zu markieren, melden verschiedene Nachrichtenagenturen.

Als Urheber der Meldung ist die Umweltschutzorganisation Greenpeace auszumachen, die ankündigt, gegen die Patenterteilung an einen US-amerikanischen Gentechnik-Konzern juristisch vorzugehen. Ist dem Unternehmen Newsham Choice Genetics ein Coup gelungen, oder handelt es sich lediglich um eine Schweinerei von Greenpeace?

Schon die Überschrift der Meldung muß stutzig machen: „Umfassendes Patent auf Schweine erteilt“. Können Tiere patentiert werden?

Greenpeace behauptet, die Ansprüche seien so formuliert, daß sie nicht nur das Zuchtverfahren umfassen, sondern in einem Streitfall der Patentinhaber auch Ansprüche auf die Schweine selbst und alle Nachkommen der nach dem patentierten Zuchtverfahren gezeugten Schweine erheben kann. Doch die Umweltschützer gehen noch weiter: Der Gentechnikexperte von Green-

peace, Christoph Then, glaubt, daß die nach dem Testverfahren festgestellten Gene, die theoretisch in vielen vorhandenen Schweinerassen von Natur aus existieren, unter den Patentschutz fallen, und läutet die Alarmglocken.

Das Unternehmen Newsham Choice Genetics, das das Patent von dem US-amerikanischen Biotech-Konzern Monsanto gekauft hatte, könne so Lizenzansprüche gegen praktisch jeden Bauern geltend machen, dessen Schweine die durch das Verfahren nachgewiesenen Gene aufweisen. Ist es wirklich so, wie von Greenpeace unterstellt wird?

Schon in den vergangenen Jahren sprangen die Medien bereitwillig auf den „Zug der Angst“, mit dem Greenpeace auch politisch Druck gegen die Gentechnik-Industrie macht. Behauptungen, Mutmaßungen und Angstszenarien wie aus phantastischen Romanen verbreiten selbst seriöse Sender wie die ARD: „Ein Konzern greift nach dem Nahrungsmittelmonopol für die ganze Welt, wird suggeriert. Dürfen Schweine in Zukunft nur noch gegen Zahlung von Lizenzgebühren an große Konzerne gezüchtet werden?“

Was in vielen Berichten verschwiegen wird: Bei dem jüngst erteilten Patent wurde lediglich ein Verfahren zur Feststellung bestimmter Gen-Merkmale, die für eine Optimierung der Zucht eine Rolle spielen, geschützt, nicht aber bestimmte Gene oder deren Merkmale. Das ist rechtlich auch nicht möglich, man hatte schlecht recherchiert.

Zum zweiten ist im europäischen Patentrecht scharf abgegrenzt, was als Erfindung und was als Entdeckung anzusehen ist. Die Unterscheidung: Eine Erfindung kann patentiert werden, eine Entdeckung, zum Beispiel eines Gens oder eines Genbestandteils oder Merkmals, das schon immer existiert hat, nicht. Das ist zum Beispiel dem europäischen Patentrecht wie auch der EU-Biopatentrichtlinie zu entnehmen.

Die Münchner Patentanwaltskanzlei Rothkopf-Theobald-Elbel ist auf Fälle aus dem Agrarbereich spezialisiert. Dr. Michaela Elbel erklärt: „Das Patentrecht ist immer in eine nationale Gesetzgebung eingebunden. Aus einem erteilten Patent kann kein Nutzungsanspruch abgeleitet werden, der unter Umständen anderen Gesetzen unterliegt. Selbst wenn es gelänge, ein Patent auf ein Tier zu erhalten, wäre dies noch kein Freibrief für eine Produktion.“

Was Greenpeace noch verschweigt: Das erteilte Patent ist massiv zusammengestrichen worden. Ein Sprecher des Europäischen Patentamtes teilt mit, daß in der eingereichten Version aus dem Jahr 2004 zwar Ansprüche auf Tiere, die nach einem bestimmten, zum Patent angemeldeten Verfahren zur Zucht ausgewählt oder gezüchtet werden, angemeldet worden waren, doch eine Erteilung in dieser Form nicht zur Debatte stand. Was bleibt also von dem umstrittenen „Schweine-Patent“?

Nichts Greifbares. So kann ein Züchter zur Optimierung der Fleischmasse seiner Tiere nach herkömmlichen Methoden vorgehen, indem er eine Auswahl der Zuchttiere nach Rasse und Aussehen vornimmt, das kann ihm niemand verbieten. Die Methode beruht weniger auf wissenschaftlichen Erkenntnissen als auf Erfahrung. Nutzt er ein zum Beispiel patentiertes wissenschaftliches Verfahren zur Genbestimmung, bevor er Zuchttiere kreuzt, wendet er sich an ein Labor, welches den Test vornimmt und für ihn die passenden Merkmale analysiert. Dieser Test könnte einem Patent unterliegen und zum Beispiel nur von einem lizensierten Labor durchgeführt werden. Der Züchter nimmt also eine Dienstleistung in Anspruch, aus dem sich nach europäischem Recht keine Ansprüche des Dienstleisters auf die Zuchterfolge ableiten lassen. Das hätte Greenpeace wissen müssen. Patentanwältin Michaela Elbel: „Für patentrechtliche Ansprüche ist nur relevant, auf was ein Patent erteilt wurde, und das ist im Falle des Patentes EP 1 651 777 lediglich ein Verfahren zur Feststellung bestimmter genetischer Eigenschaften. Nicht aber der Eigenschaften selbst.“

Offensichtlich hat sich Greenpeace in einer Unzahl von Fehldeutungen und abstrusen Argumentationen verstrickt, die mit der Realität wenig zu tun haben. Was zurückbleibt ist allenfalls Unmut über die Verläßlichkeit von Umweltschützern, die einst besonders unter jüngeren Menschen Idol-Charakter genossen.

Copyright: Mariano Albrecht/Preußische Allgemeine Zeitung

Geschrieben von malsogesehen

13, August, 2008, um 5:55

Vom Sprachkauderwelsch unserer Jugend

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Von Mariano Albrecht

Jede Zeit hat ihre Sprache. Trendsetter in Sachen Sprüche und Redewendungen war schon immer die Jugend. Während man in den 70er Jahren noch dem „steilen Zahn“ hinterher pfiff, wurde in den 80ern aus selbigem die „geile Tussi“. In den 90ern wurde dann „gechillt“ was das Zeug hielt und „poppen“ hat heutzutage in Gesprächen Jugendlicher mit Sicherheit nichts mit Musik zu tun. In Zeiten von Anglizismen, Globalisierung und Computersprache schlagen deutsche Sprachwissenschaftler alle Jahre wieder Alarm, wenn neue Wörter meist aus dem Englischen, im Allerheiligsten, dem Duden auftauchen.

Mit einem sprachlichen Supergau aus dem „Morgenländischen“ hatten allerdings auch die hartgesottensten Sprachwächter nicht gerechnet. Multikulti hin, Integration her, unsere Jugend hat auf den Schulhöfen der Republik schon seit geraumer Zeit den Grundstein für die „Neue Linguale Völkerverständigung“ gelegt und ist dabei, die deutsche Sprache von Artikeln, Präpositionen und Fällen zu befreien und mit Redewendungen aus Migrantensprachen zu spicken.

Wenn das Filmtheater der Stadt einen cineastischen Höhepunkt verspricht, heißt es dann schlichtweg: „Laß Kino geh’n Digger!“ Unter deutschen Jugendlichen bedient man sich im Vokabular seit neuestem besonders gern bei den türkischen und arabischen Mitschülern, die in ihren bilingualen Gesprächen gern mal auf heimatliche Redewendungen wie „Sikdir lan“ (verpiß dich) oder „Orospu Cucuk“ (Hurenkind) zurückgreifen, was von deutschen Kids dann gern als „Insider-Jargon“ übernommen wird.

Wenn etwas mit Nachdruck versichert wird, bedient man sich des arabischen „Wallah“ (bei Gott) und bekräftigt, „ischwör“, und wenn dann alles ist, wie es sein soll, so ist das „tamam“ (in Ordnung). Andernfalls: „isch mach disch Messer“, was dann wohl so etwas wie die Androhung einer Messerattacke sein soll. Weil sich deutsche Kids mit richtigem Deutsch falsch verstanden glauben, springen sie in den Radebrech-Dialekt ihrer Mitschüler aus Migrantenfamilien. Sprachforscher beschäftigen sich in großen Projekten mit der Erforschung der Jugendsprache, Linguisten schreiben Bücher über den phonetischen Kauderwelsch, reden von Sprachentwicklung und nennen das „Ethnolekt“.

Medien haben die Sprachvergewaltigung zum Programm gemacht und lassen Quoten-Ausländer wie den Comedian Kaya Yanar oder Erkan und Stefan schon seit Jahren radebrechen, was das Zeug hält. Das von dem türkischen Schriftsteller Feridun Zaimoglu, in seinem Buch „Kanak Sprak – 24 Mißtöne vom Rande der Gesellschaft“, auf die Schippe genommene, gebrochene Deutsch hat Kultstatus erreicht.

Pädagogen ist das Lachen darüber schon lange im Halse stecken geblieben. Angela Behn ist Deutschlehrerin an einer Gesamtschule im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg. 34 Prozent Ausländeranteil, meist türkischer Herkunft, prägen den Stadtteil und seine Sprache. Von 29 Schülern einer 5. Klasse, in der Angela Behn unterrichtet, müssen rund 50 Prozent der Kinder an einer Sprachförderung teilnehmen. Es mangelt an der Fähigkeit, Sätze zu bilden und die deutsche Grammatik anzuwenden – auch bei deutschen Schülern.

Behn: „Den Kindern fehlt die Kommunikation in der Familie, es wird nicht gelesen, die Kinder werden vor dem Fernseher allein gelassen oder flüchten in ihre Clique.“ Dort fühlen sie sich verstanden. Sprachbarrieren werden durch den Einsatz von Sprachmix überwunden. Man bedient sich kurzer Formulierungen aus dem vorhandenen Wortschatz, und wenn das nicht ausreicht, wird „geswitcht“.

Angela Behn konnte feststellen, daß ihre Schüler zwar ihre eigene Sprache sprechen, aber schon in der Lage sind, diese auf dem Schulhof zu lassen.

Doch von deutscher Sprache ist das, was in den Klassenzimmern auf das Papier kommt, weit entfernt. Es fehlt der Einfluß richtiger Sprachvermittlung.

Die Schulen fühlen sich überfordert und verlangen mehr vorschulische Sprachbildung bei Migranten, doch wem nützt die, wenn in den Familien die Muttersprache nur mündlich und auch nicht immer richtig vermittelt wird.

In deutschen Familien sind Eltern oft machtlos dem ausgeliefert, was ihre Kinder an Umgangssprachlichem mit nach Hause bringen. Da wird weggehört, nicht korrigiert und letztendlich der Schule die Schuld in die Schuhe geschoben.

Nach jahrelanger Ignoranz schlagen Schulen und Bildungsbehörden nun Alarm. Integrationskurse und vorschulischer Sprachunterricht sollen retten, was zu retten ist.

Während bei den deutschen Dialekten die geographischen Gesichtspunkte eine Rolle spielen, ist der Ethnolekt stark an soziale Gruppen und Schichten gebunden. In Gegenden, in denen Schulklassen in der Mehrzahl mit deutschen Kindern besetzt sind, wird fast dialektfreies Hochdeutsch gesprochen.

An sozialen Brennpunkten mit hohem Ausländeranteil ist Ethnolekt gängige Schulsprache.

Copyright: Mariano Albrecht / Preußische Allgemeine Zeitung

Geschrieben von malsogesehen

01, August, 2008, um 3:35