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Kartoffelsprit und Erdnußöl Deutschland war Vorreiter in Sachen Biosprit

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von Mariano Albrecht
Wer glaubt, die Erfindung nichtmineralischer Kraftstoffe wie Biodiesel sei eine neuzeitliche Idee
von Grünen und Rohölreserven-Endzeitpropheten, der irrt. Der erste Biokraftstoff wurde lange
vor dem ersten Verbrennungsmotor von den Wissenschaftlern E. Duffy und J. Patrick im Jahr
1853 entwickelt. Die beiden experimentierten mit der Umesterung (Umwandlung, swg) von
Pflanzenöl, dabei entstand ein brennbares aber nicht so schnell entflammbares Gemisch wie
Spiritus. Zur technischen Anwendung gelangte das Produkt erst, nachdem Rudolph Diesel 1893
den nach ihm benannten Motor baute. Doch bis es zum Einsatz des von Duffy und Patrick
erfundenen Gemisches kam, vergingen nochmals Jahre.
Als Diesel zur Weltausstellung 1900 in Paris seinen Motor vorstellte, staunten die Besucher,
denn das Maschinchen verbreitete einen süßlich nussigen Duft in den Ausstellungsräumen –
Diesel trieb seinen Motor mit Erdnußöl an. Erst als sich die chemischen Verfahren der
Umesterung ( Umwandlung, swg)von pflanzlichen Ölen durchsetzten, gelangte der Biodiesel,
der damals korrekterweise Fettsäuremetylester (FAME) hieß – das Modewort „Bio“ gelangte erst
später in den Sprachgebrauch – zum Einsatz.
Auch Nikolaus August Otto verwendete im Jahr 1860 für seinen Verbrennungsmotor einen Bio-
Treibstoff – Kartoffelsprit (Ethanol). Dieser gelangte sogar im Ersten Weltkrieg in
Flugzeugmotoren zum Einsatz.
In den USA setzte auch der Autobauer Henry Ford auf den „nachwachsenden“ Rohstoff Ethanol.
Der zwischen 1908 und 1927 gebaute Ford T fuhr ebenfalls mit Ethanol. Fords Vision war es,
der Landwirtschaft neue Impulse zu geben und einen ständig verfügbaren Rohstoff zum Einsatz
zu bringen. Doch die Idee Fords war zum Scheitern verurteilt.
Durch den Einfluß der Standard Oil Company von John D. Rockefeller erlangte das Benzin
aufgrund hoher Verfügbarkeit und niedriger Preise zunehmend an Bedeutung in Amerika und
allen von Standard Oil beeinflußten Ländern. Der Motor des Ford wurde auf Benzin umgestellt.
Die Macht von Standard Oil und der Rockefeller-Dynastie führte zur ersten Monopolgesetzgebung
in den USA und zur Zerschlagung des Konzerns unter Präsident Roosevelt im Jahre
1911.
In Deutschland versuchte man in den 20er Jahren, durch den Einsatz von Alkohol die Kosten für
den Import von ausländischem Mineralölbenzin zu senken. So gründete die
Reichsmonopolverwaltung für Branntwein und der Verwertungsverband deutscher
Spiritusfabriken im Jahre 1925 die Reichskraftspritgesellschaft (RKS). Mit dem Produkt
Monopolin, einer Mischung aus 75 Prozent Normalbenzin und 25 Prozent Agraralkohol, sollte
die Landwirtschaft gestärkt und gleichzeitig der Mineralölverbrauch gesenkt werden. 1927
entstand in Berlin das erste Tankstellennetz der RKS. 1935 hatte die Reichskraftsprit-
Gesellschaft einen Marktanteil von 4,3 Prozent und betrieb 365 Zapfsäulen in Deutschland.
Nach dem Zweiten Weltkrieg verloren die alternativen Kraftstoffe durch die günstiger
werdenden Preise für Mineralölkraftstoffe an Bedeutung. Der Biodiesel war auch während des
Krieges vom Petrodiesel verdrängt worden. Erst in den 80er Jahren gewann die Herstellung
wieder an Bedeutung. 1990 ging im österreichischen Aschach die erste industrielle
Produktionsanlage in Betrieb.

© Mariano Albrecht Preußische Allgemeine Zeitung

Geschrieben von malsogesehen

25, Juli, 2008, um 3:16

Veröffentlicht in Energie

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